Arda Fanfiction

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Die Saat des Bösen

von Celebne

Prolog

Im Jahre 3 des Vierten Zeitalters

An einem sonnigen Frühlingstag wurde Glóredhel, die Herrin von Andrast, vor das hohe Gericht Gondors gestellt, welches vom König und Truchsess gebildet wurde. Das hohe Gericht trat nur in Ausnahmefällen zusammen und hierbei handelte es sich um einen solchen.
Kurz zuvor hatte das hohe Gericht Erchirion, den Fürstensohn von Dol Amroth, zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Und nun ging es um Glóredhel, welche auch eine gewisse Mitschuld an den Entführungen von Faramir und Éowyn traf.

Stolz trat die dunkelhaarige, junge Frau vor die hohen Herren Gondors in der königlichen Halle zu Minas Tirith. Ihre Kleidung war grau und wirkte ärmlich, doch trotzdem merkte man an ihrem Auftreten, dass es sich um eine Dame von hohem Adel handelte.

König Elessar saß auf dem Thron der Könige und unter ihm auf dem schwarzen Truchsess-Stuhl Faramir, der Fürst von Ithilien. Beide sahen Glóredhel mit strengem Blick an. Doch diese ließ sich nicht einschüchtern. Sie stand einige Schritte vor den Stühlen der Herrscher und hörte gelassen zu, wessen man sie anklagte. Nach dem Verlesen der Schriftrolle hielt der König kurz inne und betrachtete Glóredhel erneut. Keine Spur von Reue war in ihrer Miene erkennbar. Trotzdem bat Faramir um ein mildes Urteil, da Glóredhel ihm in Andrast damals zur Flucht geholfen hatte. Nachdem die Angeklagte selbst die Möglichkeit bekommen hatte, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen, zogen sich der König und der Truchsess zur Urteilsfindung in die Bibliothek der Zitadelle zurück.
Bedienstete reichten den beiden hohen Herren eine kleine Erfrischung und ließen sie anschließend wieder alleine.

Aragorn öffnete seufzend den engen Kragen seiner Tunika und rieb sich den Hals. Faramir beobachtete ihn dabei mit einem leichten Schmunzeln. Es war sehr ungewohnt, den König in hochoffziellen Gewändern zu sehen. Normalerweise bevorzugte dieser eher unauffällige, bequeme Kleidung. Aragorn nahm einen tiefen Schluck von seinem Weinkelch, während Faramir nur kurz nippte.
„Warum willst du bei dieser Frau Gnade walten lassen, nachdem sie euch beiden soviel Leid zugefügt hat?“, fragte Aragorn schließlich ungläubig.
„Sie hat mir meine Gefangenschaft wesentlich erleichtert und mir sogar zur Flucht verholfen“, sagte Faramir unbeirrt. „Ohne ihre Hilfe wäre ich vielleicht in Andrast gestorben.“
„Éowyn erzählt da etwas anderes“, erinnerte ihn der König ein wenig ungehalten. „Glóredhel trägt viel Schuld daran, dass es deiner Gemahlin so schlecht ergangen ist. Meiner Meinung nach hätte sie eine lebenslängliche Kerkerstrafe verdient.“
„Ich würde dich bitten, Aragorn, die Strafe auf zwanzig Jahre zu verkürzen“, meinte Faramir ernst. „Der Kerker wird ihren Stolz schon bald brechen. Sie ist jetzt noch jung. Wenn sie dann in zwanzig Jahren entlassen wird, hat sie die Möglichkeit, mit zweiundvierzig Jahren noch ein langes Leben in Freiheit zu genießen. Sie soll büßen, aber auch merken, dass das hohe Gericht die Hilfe zu meiner Flucht berücksichtigt hat. Das wird Glóredhel sicherlich beeindrucken.“

Doch Faramir sollte sich gewaltig irren. Glóredhel vernahm das Urteil des Königs, welcher schließlich der Bitte seines Truchsess nachgegeben hatte, mit unbewegter Miene. Innerlich jedoch frohlockte sie. Die junge Frau hatte gehört, dass Faramir ihren Bruder getötet hatte und deswegen hasste sie ihn. Einst war sie verliebt in den Truchsess gewesen und sie bereute jetzt bitterlich, dass sie ihm damals wegen dieser dummen Gefühle zur Flucht geholfen hatte. Während Glóredhels Haft in Andrast waren die letzten Zeilen ihres Bruders durch die Magd Rian in ihre Hände gekommen und sie hatte gelesen, dass er sich über seine baldige Vaterschaft freute. Der Gedanke hatte ihr gefallen, dass Túrin endlich die störrische Schildmaid bezwungen hatte, wenn auch auf recht unschöne Weise. Die Todesnachricht hatte Glóredhel dann in ein tiefes Loch gestürzt. Erst der heutige Prozess und das Wiedersehen mit Faramir hatte ihr neuen Mut gegeben: Mut, ihre Kerkerhaft durchzuhalten und eines Tages begnadigt zu werden. Mit zwanzig Jahren Freiheitsentzug war sie gut davongekommen und es bestand tatsächlich die Möglichkeit, irgendwann Rache nehmen zu können. Sie warf einen letzten hasserfüllten Blick auf Faramir, bevor sie in den entlegenen Turm der Zitadelle geführt wurde, worin sie die nächsten zwanzig Jahre verbringen sollte.

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