Der Morgen des dritten Tages war grau, als Borondir und sein Gefährte die Hügel bei Dol Guldur erreichten. Der verfluchte Ort, einst Festung Saurons, war von düsteren Nebeln umhüllt. Selbst die Vögel mieden den Himmel darüber. Dort schlug der Schatten zu.
Sie ritten in eine Falle. Aus dem Unterholz stürzten Orks hervor – mit gebogenen Klingen und Augen, die im Zwielicht glühten. Borondirs Gefährte fiel im ersten Ansturm. Borondir selbst hätte dasselbe Schicksal ereilt, doch sein Pferd – ein schlanker, fahlgrauer Hengst namens Laeron – bäumte sich auf und brach durch den Ring der Feinde, wie ein Pfeil geschleudert vom Bogen des Schicksals.
Er ritt, ohne sich umzusehen. Zwei Tage und Nächte jagte ihn der Tod – Wölfe und Späher auf seinen Fersen. Am Ufer der Schwertelfelder, wo einst Isildur gefallen war, entkam er schließlich. Der Fluss und das dichte Röhricht verbargen seine Spur, und die Verfolger zogen ab, überzeugt, dass der Reiter in den Sümpfen umgekommen sei.
Doch Borondir lebte.
Er lebte – aber er war gebrochen. Zwei Tage ohne Nahrung, ohne Schlaf, mit Blut auf seinem Umhang und Fieber in den Gliedern. Nur die Pflicht hielt ihn aufrecht. Die Worte Cirions, in seinem Geist wie ein heiliger Schwur eingebrannt, waren das Einzige, das ihn weitertrieb.
Am 25. März erreichte er endlich das Reich der Éothéod, in den grünen Weiten zwischen den Quellen des Anduin und den fernen Ausläufern des Nebelgebirges. Die Sonne stand tief, und die Luft roch nach Tau und Pferden, als man ihn, halb bewusstlos, vor Eorl Langspeer brachte.
Die Reiter des Nordens, erstaunt über den erschöpften Mann in Gondors Farben, stützten ihn, gaben ihm Wasser. Mit brüchiger Stimme und bebenden Lippen sprach Borondir die Botschaft:
„Cirion… ruft… um Hilfe… Gondor… steht allein.“
Dann sank er zusammen.
Eorl schwieg lange, nachdem die Worte verklungen waren. Er sah in das bleiche Gesicht des Mannes, und seine Hand schloss sich fester um den Speer an seiner Seite. Dies war keine Bitte um Gunst – es war ein Ruf aus alter Treue, aus dem Band, das Menschen in dunklen Zeiten verband.
Am nächsten Morgen rief Eorl seine Gefolgsleute zusammen. Und so begann der große Ritt der Éothéod gen Süden – die Rettung von Gondor, die Schlacht auf den Feldern von Celebrant, und ein neues Bündnis, das Königreiche für ein Zeitalter binden sollte.
Von den anderen Reitern, die Cirion ausgesandt hatte, kam nie wieder ein Zeichen.
Doch Borondir Udalraph, der Reiter des Fernen Pfades, war ihrer aller Stimme – und durch ihn war das Schicksal Gondors gewendet.