Arda Fanfiction

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Mornië a cala

von Durloth

Kapitel 1

Peregrin’s Lied

Soll es Wunder geben,
wenn jeder Tag nur Leiden bringt?
Soll es Frieden geben,
wenn der Schrei nach Rache nie verklingt?

Soll es denn Erlösung geben,
wenn wir einander nie verzeihen?
Wie können wir in Freiheit leben,
wenn wir unsre Taten nie bereuen?


Eine lange Reise liegt hinter mir. Ich habe in den tiefsten Abgrund geblickt und die höchsten Gipfel erklommen. Ich bin durchs Feuer gegangen, unter den Bergen hindurch, habe mich von Wasser und Wind treiben lassen. Ich habe dem Tod in die Augen gesehen. Ich habe tiefe Wälder durchschritten, grasbewachsene Ebenen überquert, bin durch felsige und schneebedeckte Gebirge gewandert und ließ mich von Flüssen tragen. Ich habe Leid und Tod gesehen, Schmerzen gespürt, Verzweiflung und Angst gesehen. Doch ich habe auch Hoffnung gehabt. Hoffnung auf ein gutes Ende.


Wo sind die Grenzen
Des Hasses und des Neids?
Wo ist das Ende
Dieses fürchterlichen Leids?


Ich habe gesehen, wie Kinder ihre Väter und Mütter verloren, wie sich die Herzen der Menschen verdunkelten. Ich habe die Kälte gespürt, die sich über die Welt legte, wie sie alles Gute zu verschlingen schien. Ich habe erlebt, wie alte Bindungen wegen Eifersucht zerbrachen. Ich habe das Blut gesehen, das in diesen Tagen den Boden zu tränken scheint und die Asche einer zerbrechenden Welt.


Wo sind die Hände,
die uns schützend halten?
Wo ist die Ruhe
In den stürmischen Gewalten?


Die Dunkelheit der drohenden Schatten scheint allen Frieden vertrieben zu haben. Die Angst herrscht überall. Wohin man sich auch wendet, man blickt in ausdrucklose Gesichter mit leeren Augen. Masken. Jeder trägt seine Maske in der verzweifelten Hoffnung, dadurch der endgültigen Vernichtung zu entgehen. Jeder. Auch ich.

Wo ist die Liebe
Zwischen Furcht und Krieg?
Wo ist die Demut
Zwischen kalten Rechnungen und Sieg?

Wo ist die Hoffnung
Zwischen Finsternis und Nacht?
Wo ist die Rettung
Aus dieser blutgen Schlacht?


Wie oft habe ich mich gefragt, wann das alles endlich vorbei sein wird? Wie oft habe ich verzweifelt gebetet? Gebetet um Ruhe und Frieden. Um die Werte von einst. Um alles Gute, das es noch gibt. Wie oft bin ich geschlagen worden? Wie oft hat man mich übertönt? Wie oft wurde ich einfach beiseite geschoben? Wie oft hat man meine Hilfe abgetan? Und vor allem: Wie oft hat man mir und anderen Hilfe, Mitgefühl und Trost aus Angst vor einer Strafe verweigert?


Wer kann uns helfen,
lässt uns nicht allein?
Wer kann uns retten
Aus schmerzerfüllter Pein?


Angst quält uns, frisst sich in unsere Seelen, reißt uns Stück für Stück auseinander. Verunsichert, ängstlich, alleingelassen sitze ich hier, auf meinen Schultern ein Berg von Schuldgefühlen, die mich niederzwingen. Dunkelheit ist um mich herum, in ihr scheint sich etwas zu bewegen, zu lauern. Weder vor den Schatten, noch vor der Kälte habe ich Angst, auch der Tod schreckt mich nicht. Nein, es ist die Einsamkeit, die ich fürchte!

Wer stützt uns
Wenn wir zu fallen drohn?
Wer spricht noch gut zu uns
Frei von Bitterkeit und Hohn?

Wer nimmt die Last
Von unsren Rücken?
Wer trägt die Schuld
Die droht, uns zu erdrücken?


Ich hörte die Worte der anderen, deren Rücken mir zugewandt sind. Mir, dem Halbling, dem unnützen Kind, wie mich viele nennen. Doch ich bin kein Kind. Ich sehe kein Licht mehr in der Dunkelheit. Keiner geht mehr auf mich zu, keiner hilft mir, wenn mir etwas schwer fällt. Oder doch?

Wer weiß, wohin,
Wenn der Weg zu enden scheint?
Wer führt uns,
durch seine Hände neu vereint?


Ich warte. Warte auf jemanden, der weiß, was in diesen bitteren und düsteren Tagen zu tun ist, was ich tun kann, um anderen Hoffnung zu geben, obwohl ich selbst keine mehr habe. Ich warte auf jemanden, der mich an der Hand nimmt, wenn ich strauchele, der mich wieder aufrichtet, wenn ich falle, der mich wärmt, wenn ich friere. Ich warte auf jemanden, der mich führt und leitet und mir meinen alten Lebensmut zurückgibt. Und auf jemanden, der den Schleier der Finsternis um mich herum, die Ignoranz der anderen, die mich einfach übersehen, wegnimmt und uns zusammenführt.

Welche Opfer
Sollen wir noch bringen?
Wie viele Schreie 
Müssen ungehört verklingen?


Zweifel sind die Saat des finsteren Herrschers. Zweifel, Lügen, Angst. Ja, vor allem Angst. Aus Lügen gehen Zweifel hervor. Zweifel wie winzige Funken. Doch fallen diese Funken in einen Heuhaufen, lodert bald ein gewaltiges, alles verzehrendes Feuer auf. Ein Feuer der Angst, das jeden guten Willen, jede Hilfsbereitschaft und jegliche Art von Mitgefühl unweigerlich mit seinem glühenden Maul verschlingt. Ein Feuer, das uns all das mit einem Streich zu nehmen vermag, wofür wir so verzweifelt kämpfen. Doch dieses Feuer zu bändigen oder gar zu löschen ist fast unmöglich.

In Dunklen Stunden
Flehen wir empor
Zum fernen Himmel
Hinauf zum Engelschor!

In jenen Stunden
In denen die Hoffnung uns verlässt
Da beten wir
Dass ihr uns nicht vergesst.


Vielleicht, ja, vielleicht wird es eines Tages ein Lied geben, das von unserem Kampf erzählt. Das von Aragorn erzählt, von Legolas, Gimli, Gandalf und Boromir, unseren Gefährten, die uns auf unserer langen Reise gestützt und geführt haben und all den anderen Menschen und Elben, die uns freundlich aufgenommen haben. Ein Lied für uns kleine Helden. Für Merry mit seinem unerschütterlichen Mut. Für Sam mit seinem treuen Herzen. Für Frodo mit seinem Glauben an das Gute in jedem von uns und seiner erdrückenden Last. Und vielleicht auch für mich...

Soll kommen
Was da kommen mag!
Hier stehen wir
Hoffnungsvoll und unverzagt!

Soll die Nacht doch kommen
Und alle Freude dämpfen!
Soll sie kommen!
Hier stehen wir und kämpfen!


--- END ---